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Die letzten Tage, Wochen, Stunden

Hallo meine lieben


ich habe mich lange jetzt nicht gemeldet. Es ist mehr oder weniger viel passiert.


Mein letzter informativer Eintrag war am 28.11.2011. Am 01.12.2011 hat mein Mann mich in die Klinik gebracht. Ich konnte nicht mehr und konnte für nichts mehr garantieren. Es ging hier in meiner Stadt in eine geschlossene. Dort hat man mir sofort einiges an Medikamenten gegeben.


Vier Tage und vier Nervenzusammenbrüche später habe ich mich selber entlassen. Ich habe es dort nicht ausgehalten. Ich hätte an dem selben Tag auf eine offene Station kommen können aber es hätte bis Februar gedauert bis ich überhaupt einen Ambulanten Therapieplatz bekommen hätte. Therapie hat dort gar nicht statt gefunden. Wir wurden dort einfach alle zusammen eingepfercht und mit Medikamenten ruhig gestellt. Nicht mehr und auch nicht weniger. Außerdem... die Leute die dort waren.... Wow... das ist dann doch zu heftig. Da wird man bloß noch bekloppter. Das verspreche ich euch. Die ersten drei Tage habe ich diese Tabletten brav geschluckt. Tavor, oder so ähnlich hießen die. Ich war total weg und hab fast nur gepennt. Dann habe ich angefangen die Tabletten weg zu spucken. Am vierten Tag habe ich dann gemerkt, was eigentlich los ist. Dann bin ich fast aus allen Wolken gefallen und habe mich selber entlassen. Seit dem bin ich zu hause. Mittlerweile habe ich mich einigermaßen erholt. Mir geht es deutlich besser.


Im Seniorenzentrum war ich bisher nicht mehr aber ich werde ab dem 02.01.2012 wieder dort sein und was soll ich sagen? Ich freue mich tierisch und fange einfach nochmal von vorne an.


Die letzten Tage, oder besser gesagt, Wochen hatten wir nicht unbedingt etwas zu essen. Ich habe drei Kilo abgenommen. Meine Ma hat uns ausgeholfen. Ich weiß nicht, wie wir das sonst überhaupt überlebt haben. Klar, die drei Kilo taten mir mit Sicherheit nicht weh, aber es ist was anderes abzunehmen, weil man einfach Hunger hat. Weil man nichts zu essen hat. Das ist echt brutal und widerlich. Und dann die Rechnungen die uns da ins Haus flattern. Grausam.


Seit letzte Woche Donnerstag bin ich krank. Ohren entzündet, Hals entzündet, Mandel dick, Husten, Schnupfen. Seit zwei Tagen nehme ich dann jetzt endlich Antibiotikum und mir geht es schon deutlich besser. In den letzten Tagen habe so ziemlich nur geschlafen. Mir ging es so dreckig.


In zwei Tagen ist Weihnachten. Weihnachten. Das erste Weihnachten an dem ich zwei Brüder habe. Erinnert ihr euch noch an meine Einträge als ich mir solche Sorgen machte, ob ich den kleinen genauso lieb haben könnte wie den Großen?


Mittlerweile ist der kleine acht Monate alt und er ist das schönste was ich je gesehen habe. Abgesehen von meinem großen Bruder. Der kleine lacht immer und ist so freundlich und er ist ein Segen. Ich liebe ihn und freue mich schon darauf, wenn er älter ist. Justin ist mittlerweile mein großer Bruder, denn er ist jetzt schon zwei Köpfe größer als ich. Als ist immer sehr lustig, wenn ich mit ihm unterwegs bin.


Sonntag abend habe ich mir in den Finger geschnitten. Aber so richtig heftig. Ich schneide mich, schrei noch den Namen meines Mannes und versuche mit der rechten Hand diese unmengen an Blut aufzufangen die aus meinem linken Finger strömen. Mein Mann bringt mich ins Bad... und dann


Und dann bin ich zusammen geklappt. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, hatte mein Mann einen Druckverband angelegt, mir einen Lappen auf die Stirn gelegt und mich in eine kreislaufunterstützende Lage gebracht. Danach hat er mich ins Bett transportiert, hat mir Wasser gebracht, eine Schmerztablette und mir die Beine hoch gelegt.


Mal ehrlich..... so gerettet werden ist echt schön. Die Situation war wirklich schrecklich, aber er hat Ruhe und Nerven behalten und das war schön. Ich hab mich so richtig geschützt und geborgen gefühlt. Ein tolles Gefühl. Ist kein Gefühl, was mich oft beschleicht. Das wird wohl damit zusammen hängen, dass ich immer alles unter Kontrolle haben muss. Mich und meine Umgebung.


Nicht falsch verstehen. Ich bin nicht darauf aus andere Menschen zu beeinflussen oder so. Das meine ich nicht. Ich brauche nur Kontrolle und Stabilität in meiner Umgebung. Das meine ich damit.


Am nächsten Tag bin ich dann zum Arzt. Der Schnitt hätte genäht werden müssen, aber mein Mann hat den Verband so genial angelegt, dass Die Wunde zusammengedrückt wurde. Also die beiden Stücke des Fingers. Und das Blut hat die Wunde natürlich verklebt. Da war ich nochmal stolz auf ihn. Da habe ich die Wunde aber auch das erste Mal richtig gesehen. Ich habe mir so weit und so tief in den Finger geschnitten, dass ich sogar einen Teil meines Nagels geschnitten habe. Gruselig.


Aber die Wunde verheilt gut und tut auch fast gar nicht mehr weh. Beim Doc habe ich dann einfach ein Heftpflaster bekommen oder wie die Dinger heißen und gut ist.



Mittwoch habe ich etwas erlebt, was ich noch nie zuvor erlebt habe. Wenn mich jetzt nochmal jemand fragt, was Freunschaft ist, dann hätte ich keine Worte dafür, aber ich würde mich wahrscheinlich an diesen Moment erinnern, als mein Mann und ich vor seinem Geburtstagsgeschenk standen. Wir beide hatten Tränen in den Augen, haben vergessen zu atmen und der Mund stand uns weit offen. Nach einigen Minuten erst waren wir wieder in der Lage zu sprechen und haben wir gelacht. Ich glaube, ich habe noch nie vor Glück einfach so gelacht. Gelacht vor Freude. Nicht wie man lacht wenn man einen Witz hört. Eher ein Jubeln.


Okay, ich verrate es auch jetzt. Wir haben von unseren Besten Freunden ein Paket mit Lebensmitteln bekommen. Ein riesiges Paket mit allerlei Leckerreien. Sachen, die ich schon so so so lange nicht mehr gegessen hatte. Sachen die ich sonst auch nie gekauft hätte, weil das Geld einfach so knapp war. Ich dachte ich träume. Es ist für das Weihnachtsfest und unser Fest ist gerettet. Wir werden essen können. Schöne Sachen. Fleisch und Kartoffelbrei und Nachtisch Creme Brülee. Da waren so tolle Sachen drin, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Süßigkeiten. So viele Süßigkeiten und Suppe und Aufschnitt und Brot. So was hat noch nie jemand für uns getan.


Ich bin schon wieder total ergriffen und kann einfach tausend mal Danke sagen. Danke, dass es so tolle Menschen auf der Welt gibt. Tausend Dank. Das werde ich nie vergessen.


Wenn mich jemand fragt was Freundschaft ist, dann werde ich glaube ich den Rest meine Lebens von diesem Moment erzählen. An dieser Stelle möchte ich einfach nochmal sagen „Irgendwann.... wenn es uns wieder besser geht... dann werden wir uns bedanken können. Richtig bedanken können und das werden wir auch tun. Ich weiß, dass diese Menschen das nicht vorraussetzen aber wir haben so sehr das Bedürfnis uns zu bedanke, dass wir uns das auch nicht nehmen lassen werden. So viel sei gesagt.


Das Erste Mal seit sehr langer Zeit freue ich mich auf Weihnachten. Jap!



Nun zu etwas, was absolut nichts mehr mit Freundschaft zu tun hat.


Meine Cousine... meine aller liebste wunderbare Cousine ist ja umgezogen.


Ich hatte ihr vor einiger Zeit einen Brief geschrieben zu dem, wie sie sich mir gegenüber verhält. Habe ich euch das erzählt? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall macht diese Cousine, meine Cousine, eine Silvesterparty. Ich habe sie gefragt ob wir kommen dürfen und ihr könnt euch nicht mal im entferntesten vorstellen was sie gesagt hat. Es war nicht mal ein einfaches Nein. Keine Gute Entschuldigung. Nur „Ach ich weiß nicht, eigentlich kommen da nur coole Leute!“


Wow, das tat weh. Mittwoch war sie dann hier zu dem Geburtstag meines Mannes. Sie war wieder so komisch zurückhaltend und so. Hatte sie eh schon zwei Wochen nicht gesehen.


Ich schreibe ihr also eine SMS, das mir das so weh tut wie sie dennoch mit mir umgeht. Auch mit Silverster und so.


Da schreibt sie zurück, dass ich übertreibe und sie es nicht so gesagt hätte und so was alles. Dann hat sie gar nicht mehr geschrieben.


Ich halte ja echt viel echt lange aus. Und ich glaube weil ich Borderline habe, geht meine Spanne der Geduld und die Grenze der Schmerzen die man aushält weiter als bei jedem anderen. Allerdings ist es auch so, dass wenn man einmal über dem Berg ist... gibt es niemals wieder ein zurück. Nach meinem letzten Brief, nach der Sache gestern, nach den unzähligen Tränen bin ich übern Berg. Es ist vorbei. Mit meiner anderen Cousine, die mit den drei Kindern, bei der ich zwischendruch mal was bei ebay für sie eingestellt hatte, ist auch weg. Dumme Geschichte. Das sind die Buchstaben nicht wert. Fest steht.... Jetzt habe ich alle Familienmitglieder hinter mir. Vielleicht ist es besser so. Schmerzfreier alle Male. Jetzt bleibt mir nur noch meine Ma und meine zwei Brüder.



Mal schauen was das nächste Jahr so alles bringt.


So meine Lieben




Solltet ihr bis Samstag nichts mehr von mir hören so wünsche ich euch ein wunderbares Fest


Haltet die Ohren steif






Maia




PS: Hoffentlich seit ihr im nächsten Jahr auch noch mit dabei

23.12.11 02:35
 


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